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Ihr seid genervt davon, euch jeden Tag Gedanken um das richtige Essen zu machen? Willkommen im Club. Aber es gibt Abhilfe – dank Mealprep, einem Trend aus den USA, den auch hierzulande führende Komikerinnen empfehlen

Wer bei Anke Engelke in den Kühlschrank guckt, stößt auf mächtig viel Plastik. Allerdings das von der guten, von der wiederverwendbaren Sorte: Haufenweise Tupperware stapelt sich in diesem Küchenmöbel. Denn die vielleicht lustigste Frau Deutschlands ist sowohl Veganerin als auch Mutter und extrem viel beschäftigt, da muss es einerseits mittags manchmal schnell gehen, und andererseits gibt es für Schauspieler:innen wie sie diese Foodtrucks, aus denen man sich versorgen kann, wenn man dreht. Nichts für sie: Anke bringt sich ihr selbstzubereitetes Essen von zu Hause mit. „Dafür schnippele und koche ich vor“, sagt sie, „und bin jederzeit spontan bereit, schnell was Frisches und Gesundes aus dem Kühlschrank zu holen.“ Das, sagt Engelke, mache sie eigentlich schon immer, und immer will was heißen, schließlich wird die Frau demnächst 56. „Aber heute“, sagt sie, „hat diese Tätigkeit auch noch einen freaky Namen.“
Ganz genau. Nämlich Mealprep, was tatsächlich einigermaßen freaky klingt und irgendwie ja auch um Meilen besser als die deutsche Entsprechung: Essensvorbereitung. Anke Engelke hat eben schon bewiesen, dass die Sache nur bedingten Neuigkeitswert hat, und hatten nicht auch unsere Großmütter schon mehrere Holzregalmeter voller Weckgläser mit Obst und Gemüse im Keller stehen? Andererseits hatte das eher mit Haltbarmachen von Lebensmitteln zu tun, also wenden wir uns schnell wieder der frischen Fraktion zu.
Zum Trend geworden ist Mealprep, natürlich, in den USA. Und zwar durch gesundheitsbewusste Mitbürger, die allmählich die Nase voll hatten von dem undurchschaubaren Fertigfraß, den sie in der Mittagspause und abends in Restaurants zu sich nahmen. Und darin steckt eine Logik: Wer die volle Kontrolle über sein Essen und dessen Gesundheitsfaktor haben will, muss es selber machen. Und weil die wenigsten von uns Zeit und Muße haben, jeden Tag zwei bis drei gesunde Mahlzeiten zu bereiten, ist Mealprep die naheliegende Lösung. Das ist zwar auch zeitintensiv – aber eben nur ein- bis zweimal pro Woche.
Die Basis von allem ist Zeit und Planungsfreude. Setzt euch an einem Tag in der Woche hin und plant sie essensmäßig durch. Wann seid ihr schon auswärts zum Essen verabredet? Wann bekommt ihr Besuch? Und auf was habt ihr gerade Bock? Jetzt im Herbst wäre doch ein Wirsing-Gemüse-Topf nicht schlecht oder eine winterliche Tortilla. (beides Vicoach-Rezepte – kannst Du darauf verlinken, Dani?) Oder vielleicht kauft ihr Zutaten für eine Gemüsebolognese ein, die kann man auch an zwei Tagen hintereinander essen. Überhaupt, erfahrene Mealprepper:innen denken Crossover: Das vorgekochte Couscous zum Beispiel lässt sich nicht mit einer Hähnchenbrust kombinieren, sondern auch hervorragend mit dem Auberginenragout, das es in der Woche schon zu Pasta gegeben hat. Und wenn man das mal weiter denkt: Vielleicht kocht ihr gar nicht ganze Mahlzeiten vor, sondern lauter Komponenten, aus denen ihr euren Teller täglich neu zusammenpuzzeln könnt. So macht sogar Resteessen Spaß.
Ihr werdet sehen: Mit einem Großeinkauf nach Hause zu kommen, der einen den Rest der Woche vom Supermarkt fernhält, hat etwas höchst Befreiendes . Und ist auch psychologisch eine echt feine Sache: Rund um die Uhr daran zu denken, sich gesund, nahrhaft und der eigenen Wahrheit entsprechend zu ernähren, ist anstrengend. Wenn man diese Mühsal auf maximal einen halben  Tag in der Woche reduziert, ist schon viel gewonnen. Und wer weiß: vielleicht habt ihr sogar Freude an den anderen neuen Ritualen, nämlich dem Schnippeln und Vorkochen. Nehmt euch dafür am besten einen festen Tag oder Abend der Woche vor, macht euch einen Podcast, ein Hörbuch (Tipps dafür hätten wir reichlich) oder die Cardioscan-Playlist des Monats an (verlinken?) und, am wichtigsten: nehmt euch die nötige Zeit. Wer mealpreppt, sollte sich wirklich nichts anderes vornehmen für die folgenden Stunden.
Aber auch die richtige Ausrüstung ist von einer gewissen Wichtigkeit. Die Anke-Engelke-Tupperdosen sind schon mal ein guter Einstieg, aber vielleicht wollt ihr unterwegs auch mal was selbstgemachtes Warmes essen. Wir empfehlen hier den guten alten Henkelmann, ein Warmhalteutensil, das schon unsere Vorfahren bei der Feldarbeit oder unter Tage dabei hatten. Allerdings: Alles, was matschen könnte, verpackt ihr vielleicht lieber extra. Ach ja, und wenn ihr ohne Snacken nicht über den Tag kommt: Besorgt euch noch ein Döschen, in dem ihr Nüsse und Trockenfrüchte mit euch herumtragt.
Wäre doch wirklich zu und zu tragisch, wenn ihr euch stattdessen irgendwo ein Snickers besorgen müsstet.