0

Ihr wollt Euch mehr bewegen? Endlich mal wieder joggen gehen? Aber findet die Zeit nicht, und überhaupt: welches Maß ist das richtige? Das können wir Euch sagen. Spoiler Alert: Weniger ist nicht selten mehr

Ach, Japan! Was hat dieses fantastische Land der Welt nicht alles geschenkt: Origami, Sushi, Mangas, Kitkat mit Wasabi-Geschmack, das Endoskop und nicht zuletzt die Pureisutēshon – Verzeihung, wir übersetzen flink: die PlayStation. Aber nicht nur Essen und Gegenstände des täglichen Gebrauchs exportieren die Ostasiaten gern, nein, auch ihre Philosophie. Ikigai zum Beispiel: die Kunst des einfachen Lebens. Wabi Sabi: das Konzept von der Wahrnehmung von Schönheit. Oder auch Kaizen.
„Kaizen“ ist ein Begriff aus der Wirtschaft. Dieses Zauberwort besteht eigentlich aus zweien: „Kai“ steht für „Wandel “, „Zen“ für „zum Besseren“. Und dieser Wandel zum Besseren gilt für, na ja: alles. In Firmen bedeutet das, dass kein Bereich unangetastet, kein Stein auf dem anderen bleibt, und vor allem: dass jeder im Betrieb in den Prozess der Veränderung eingebunden wird, der am Ende vor allem Effizienz und Einsparung zum Ziel hat. Toyota hat in den 1960ern damit angefangen, die Schweizer Post ist 2015 für Umstrukturierungen mittels Kaizen ausgezeichnet worden, die Noventa AG, auch aus der Schweiz, hat 2004 den Betrieb voll auf Kaizen umgestellt. Die Produktivität ist seither um 30 Prozent gestiegen.
Warum wir das alles erzählen? Na ja: Weil das Prinzip Kaizen eins zu eins auf Individuen übertragbar ist – und ein fantastisches Mindset anbietet, wenn man beim Training Fortschritte machen will. Denn klar, man kann sich, wenn man 15 Kilo Übergewicht hat und sich zum ersten Mal seit vielen Jahren Laufschuhe anzieht, den nächsten New-York-Marathon als Ziel herauspicken. Die Sache ist nur: Das ist ein monströser Berg an Arbeit, der da vor einem liegt. New York kann dazu motivieren, ihn abzutragen. Kann aber auch sein, dass einen diese Aufgabe schlicht überfordert und frustriert.
Kaizen ist die Politik der kleinen Schritte, sie parzelliert das große Ziel. Ein einfaches Beispiel: Ihr arbeitet im achten Stock eines Bürohauses, die Kantine aber ist im Erdgeschoss. Ihr beschließt, diese acht Stockwerke ab sofort nach dem Essen hinaufzusteigen und nicht mehr den Fahrstuhl zu nehmen. Könnt Ihr machen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr nach drei Tagen die Faxen dicke habt, ist ziemlich groß. Kaizen-Experten würden nun raten: Fahrt am ersten Tag bis in den siebten Stock und lauft eine Treppe. Und am zweiten Tag steigt ihr im sechsten aus und am dritten… schon gut, alles klar: Ihr habt das Prinzip verstanden. Es sind die kleinen, die leicht verdaulichen Schritte, die Euch voranbringen, Euch fitter machen, Euren Bewegungsradius erweitern und Euch vor allem auch vor Rückschlägen bewahren, die oft Menschen erleiden, die ein zu großes Ziel vor Augen haben.
In „Momo“, diesem fantastischen kleinen Meisterwerk von Michael Ende, gibt es eine ganz schöne Entsprechung für Kaizen. Das ist die Philosophie, mit der der Straßenfeger Beppo seine Arbeit verrichtet. Weißt du, sagt er zu Momo, „man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. Dann machte es Freude; das ist wichtig, dann machte man seine Sache gut. Und so soll es sein.“
Diese Kleinteilung ist übrigens auch sehr viel effektiver, wenn es um das eigentliche Training geht. Klar, man kann zweimal in der Woche eineinhalb Stunden Workout machen – aber erstens fordert dieser Kraftakt viel längere Phasen der Regeneration. Und zweitens ist ein kurzes, knackiges Workout viel effektiver. Das gehypte HIIT(High Intensity Intervall Training)  ist dafür das beste Beispiel, das kann man beinahe täglich machen – aber nach maximal 20 Minuten ist man dafür damit durch. Alternativ kann das auch eine schnelle Runde durch den Park sein oder intensives Hüpfen daheim auf einem Fitnesstrampolin. Hauptsache, man zieht es durch. Bis zu 80 Mal muss man neue Gewohnheiten wiederholen, bis sie zu einem Automatismus werden.
Übrigens: Vage Versprechen an sich selbst funktionieren in der Regel nicht. Wer beschließt, jetzt aber wirklich öfter mal joggen zu gehen, wird am Ende doch auf dem Sofa hängenbleiben. Wer aber sagt: Mittwoch um 6 laufe ich um den See und über die Bahnhofstraße, hat sich selbst ein konkretes, ein perfekt visualisierbares Ziel gesetzt. Und konkret ist gut. Aus dem Versprechen an sich selbst wird eine reale Verabredung, ebenfalls mit sich selbst.
Wobei es übrigens nicht bleiben muss. Sport muss kein Mensch allein betreiben, und wer ein festes, ein regelmäßig wiederkehrendes Date zum Laufen/Schwimmen/Gewichtestemmen nicht nur mit sich, sondern mit anderen verabredet, hat damit schon mal eine ganze Menge für seine Fitness getan – ein Treffen mit anderen abzusagen, das ist deutlich aufwändiger. Soziale Kontrolle kann helfen. Ist übrigens auch die Basis des Erfolgs der Weight Watcher.
Und vor allem: Haltet Euer Commitment, Eure Erfolge, Euer Training fest. Und lasst Euch inspirieren. Für all das gibt es das perfekte Tool – die vicoach App. Die sagt Euch anhand Eurer Daten, welches Training in diesem Moment perfekt für Euch ist, welche kleinen Zwischendurchübungen es für Euch gibt, wenn Euch die Zeit für großes Workout fehlt – und wann es eine gute Zeit ist, gerade mal nichts zu tun.
Denn wir erinnern uns: Ein Atemzug, ein Besenstrich. Und vielleicht steht am Ende ja trotzdem der New-York-Marathon.